Burg Giescheid
Burg Giescheid

Warum eine Burg?

Zuerst sollte es nur ein Altersruhesitz werden. Von einer Burg war nie die Rede.
Allerdings waren unsere Vorstellungen von der Lage recht klar: Unser neues Haus sollte auf einer Anhöhe stehen,
mit abfallendem Gelände. Nach Möglichkeit in der Nähe ein Teich oder Brunnen.
Dutzende Häuser und Grundstücke wurden besichtigt, doch das richtige war nie dabei.

Gleichzeitig  bastelten wir an unserem Haus, das aus Pappe langsam entstand.
Mal mit Atrium und Glaskuppeldach, dann als Rundbau. Doch sobald es daran ging die Vorsorgung einzuplanen,
stießen wir rasch auf die Fehler unserer "Papphäuser".
Immerhin war klar, für die Treppe muss ein Rundturm her.
Aber ein Haus mit einem Turm gefiel uns nicht, somit war flott eine weitere leere Toilettenpapierrolle als zweiter Turm auserkoren. Diese klebten wir rechts und links an unserem Papphaus an.
Bei dem Anblick kamen wir zu dem Entschluß, ein Turm für Treppe, einer für die Wasserbehälter der Heizung.
Aber da wir die schöne Aussicht selbst genießen wollten, musste ein weiteres Gebäude her, das den "Wasserturm" aufnahm. Schnell fanden sich auch Verwendungszwecke für den "Hobbyraum": für Hobby, Gerätschaften, Wohnmobil, ect.  
Doch ein Haus mit drei Türmen, ohje, es sah aus als hätte man etwas vergessen und mitten in der Arbeit abgebrochen.
Somit kam der vierte Turm an das hintere Gebäude und dieses verbanden wir durch eine Mauer mit dem Wohnhaus.
Da stand sie nun vor uns, unsere Burg.

Nun mussten wir nur noch das richtige Grundstück finden. Da gab es natürlich viele, doch jeder hat so seine Vorlieben.
Mein Mann als Funkamateur wollte unbedingt in die Höhe. Ich auf keinen Fall in eine Stadt oder in Ortsmitte.
Übrig blieben schließlich ein herrlicher Berg, auf dem man aber leider keine Baugenehmigung erhielt und dessen Preis unsere Möglichkeiten sprengte weil der Besitzer eine Null zuviel wollte :-).
Ein Grundstück der amerikanischen Armee am "schwarzen Mann" erhielt leider keine Freigabe.
Somit ging die Suche weiter und wir schoben weitere Wochen Frust.
Durch Zufall landeten wir in Giescheid und waren gleich begeistert. Genau dies war der Platz wo wir unser Traumhaus errichten wollten.
Bis wir den Vertrag allerdings unterschreiben konnten sollte ein ganzes Jahr vergehen.
Das Grundstück stammt aus einer Insolvenz und wir dachten zuerst die Bank wittere einen potentiellen Käufer, doch nichts da. Der Sachbearbeiter rührte sich nicht. Als wir schon dachten die Bank interessiert sich nicht dafür das Grundstück zu verkaufen und uns wieder nach weiteren Grundstücken umschauten, kam endlich der erlösende Brief.
Von unserer ersten groben Planung bis zur Vertragsunterzeichnung dauerte es zwei Jahre. 
Wer in Deutschland bauen will braucht oft gute Nerven :-)

   

Weitere Überlegungen


Für meinem Mann ist es bereits das vierte Haus und für uns beide das zweite Haus, das wir zusammen bauen.
Und obwohl zwischen dem letzten Haus und der Burg nur 6 Jahre liegen, hat sich schon wieder einiges geändert.
Natürlich brachten wir auch das frühere Wissen ein und konnten dadurch jetzt manchen Fehler oder Ärgernis beseitigen.
Bei unseren Planungen ging es wie bei den meisten Paaren typisch Rollenverteilt zu. Frau überlegt was sie benötigt,
nach Geschmack und Notwendigkeit und Mann überprüft dann in wieweit sich diese Wünsche einbringen lassen.
Sobald dann eine Möglichkeit gefunden ist, soll es natürlich noch dem neuesten Stand der Technik entsprechen und dann ist
Wunsch von Frau genehmigt :-)

 

Wer plant ein Haus zu bauen, sollte sich von Anfang an klar machen: was will ich.
Ein Architekt plant nur das Skelett. Doch der Bauherr selbst entscheidet wie bequem sein Haus wird.
Kleine Zimmer und nur ein großzügiger Raum, so wie es meist Standart ist.
Nur die notwendigsten Räume, denn Platz kostet, oder so wie man sich sein Haus erträumt.

Uns ist Komfort sehr wichtig, also war von Anfang an klar, eine Doppelgarage gehört in den Keller.
So können wir demnächst gleich durch die Garage ins Haus gehen und künftige Einkäufe gelangen direkt vomKeller über einen kleinen Aufzug ins Erdgeschoss. So entfällt das tragen von schweren Lasten.

Das Turm-Treppenhaus mit seinen knapp 5 m Innendurchmesser ist breit genug damit man später einen Aufzug einbauen kann, falls uns im Alter das Laufen schwer fällt.
Und trotzdem bleibt viel Raum für die Regale unserer Bücher und DVD-Sammlung sowie Deko auf den zusätzlichen Podesten.

Alle Türen sind so breit damit man auch mit einem Rollstuhl bequem in jeden Raum gelangt.
Das Bad ist extragroß damit wir, falls irgendwann Rollstuhlfahrer, auch hier überall bequem hin gelangen.

Wir hatten das Haus zuerst ohne Kamin geplant, denn Kollektoren bringen genug Energie und notfalls kann man per Strom nachheizen. Da ich aber unbedingt einen offenen Kamin wollte, entschied mein Mann sich gegen einen Pelletofen.
Wenn schon, dann richtig und ein Kamin für Holz mit Wasserspeicher bringt erstens mehr Hitze und die überschüssige Energie kann man zusätzlich der Heizung zuführen.

Im ersten Augenblick mag mancher vor den Zusatzkosten zurück schrecken, doch wenn man alles auf 10 oder 20 Jahre umrechnet, verliert sich dies sehr schnell.
Wer außerdem handwerklich begabt ist kann ohnehin eine Menge Arbeiten selbst ausführen und dadurch eine Menge einsparen.
Auf diese Weise schleicht sich auch weniger Pfusch ein, denn wer arbeitet schon schlampig wenn es für das eigene Heim ist. Zudem macht es Spaß, wenn man sieht wie das eigene Haus wächst.
Und bei allen Arbeiten, die Firmen ausführen, stets genau sagen was man will und auch auf diese Wünsche bestehen.
Am besten den Leuten hin und wieder über die Schulter sehen, so erhält man auch was man erwartet und wofür jeder Hausbauer letztendlich zahlt.
Planen Sie großzügig und sparen nicht an Kleinigkeiten, denn gerade darüber ärgert man sich später. 

Beispiel: Eine Steckdose zuwenig, es gibt ja Mehrfachstecker. Doch wenn man später in jedem Zimmer zu wenig Steckdosen hat kommt doch Ärger auf.
Welche Frau kennt nicht das Problem verstopfter Rohre. Also gibt es in der Burg nur Hängetoiletten, so entfallen überflüssige Krümmungen, durch die Verstopfungen leichter entstehen können.
Wie schnell gelangen zu große Reste beim Vorspülen in den Abfluss. Somit erhält die neue Küche in der Spüle einen Zerkleinerer, damit auch dieser Abfluss frei bleibt.   
Für das bequeme Be-/entladen der Waschmaschiene/Trockner erhalten diese beiden Lieblinge einen Podest, damit das lästige bücken entfällt.
Natürlich gibt es gleich daneben ein Waschbecken in bequemer Arbeitshöhe. Hier stellt Frau einfach den Wischeimer auf das Podest und füllt Wasser ein. Nach der Arbeit stellt man auf diesem Becken einfach den Eimer ab und weg mit dem Schmutzwasser. So versuchen wir durch kleine Hilfen alle Arbeitsgänge im Haushalt zu erleichtern.
 
Schon ein Stein auf einer Wand höher lässt den Raum optisch größer erscheinen.
Spart man an der Menge der Fenster werden die Räume nicht hell genug.
Wer nun sagt durch Fenster verliere man Wärme mag in soweit Recht behalten, da Fenster einen schlechteren Dämmwert besitzen als Steine. Allerdings haben 3 fach Verglasungen je nach Hersteller einen sehr guten Wärmeschutzwert. Mit dem richtigen Stein muss man sogar Lüftungsöffnungen im Fenster einbauen, damit das Haus durch die mangelnde Luftzirkulation nicht feucht wird. Normales Lüften reicht in diesem Falle nicht.  
Wir planen hierfür eine automatische Lüftung, die ab einer gewissen Luftfeuchtigkeit Frischluft in die Räume pumpt. 
Etwas ähnliches erfolgt auch bei der Heizung.
Zusatz-Wärme durch den Kamin gelangt ab einer gewissen Temperatur in die Heizung und kann dann genutzt werden, wenn wir diese benötigen. Und sollte es einmal zu einem Stromausfall kommen, können wir unser Haus dank des Kamins trotzdem weiter heizen.
Ein Stromaggregat liefert im Notfall Energie für Licht und die notwendigen Pumpen der Heizung.
Alle Fenster werden elektrisch betrieben, denn bei über 50 Fenster möchte diese sicher niemand täglich per Hand bedienen.
Natürlich ist es ebenfalls notwendig diese an das Aggregat anzuschließen.
Für den Fall eines Feuers haben wir ebenfalls weitergedacht. Es befinden sich zwei Treppen und vier Ausgänge im Haus und da das Aggregat in einem anderen Bereich untergebracht wird, kann man auch im Notfall die Fenster öffnen.
Natürlich wollen wir ein Fenster zusätzlich auch von Hand bedienen, falls alle Sicherheitsvorkehrungen ausfallen. 
   
Wer keinen Bauträger benötigt und alles selbst plant, kann auf diese Weise auch noch einige kleine Änderungen während der Bauphase vornehmen. Und auch wer es nicht glaubt, aber wenn die Wände wachsen, merkt man schnell ob dies oder jenes wirklich dem entspricht was man wirklich will.

Ein Haus von der Stange kann jeder kaufen, aber ein Traumhaus ist etwas ganz anderes.

Seit dem ersten Spatenstich (2009) bis heute (2018), ist zwar eine Menge Zeit vergangen, aber da wir eigentlich nur an den Wochenenden auf dem Bau beschäftigt waren und mein Mann die meiste Arbeit selbst erledigte, kommen wir bei einer Hochrechnung auf eine Bauzeit von 1,5 Jahre. Darüber kann man nicht klagen.


 

Wappen

Da eine Burg ohne Fahne keine richtige Burg ist, haben wir überlegt welches Wappen für unsere Fahne das geeignetste wäre. Das Wappen von Hellenthal gefiel uns nicht. Das Wappen des Kreises Euskirchen kam schon eher in Frage. Wir wollten schon eine Fahne mit dem Wappen von NRW bestellen, denn dieses Symbol sprach uns beide an.

Bei Recherchen im Internet stießen wir dann auf eine Seite, auf der man sich sein eigenes Wappen erstellen "stiften" lassen kann. Also nahmen wir Kontakt auf und überlegten dann wofür unser Wappen stehen soll.

Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden, denn die Bedeutung entspricht unserem Lebensmoto.
Und mal ganz ehrlich, einen kleinen Spleen sollte jeder haben, sonst ist das Leben zu langweilig :-) 
Sobald wir einziehen wird natürlich die Fahne gehießt ;-)
 

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